In diesem Entwurf zu einer Neuinterpretation der Germania Magna beschreibt der Autor seine Annahme darüber, dass die Germania Magna noch in jüngster geologischer Zeit einer sehr viel umfassenderen Landschaftstransformation unterlag, als bislang angenommen, vermutlich bedingt durch die postglaziale Landhebung im Holozän, bzw. aufgrund einer möglichen Reaktivierung der kaledonischen Deformationszone (CDF) im Zuge einer späten Aktivitätsphase der alpidischenOrogenese und den damit einhergehenden tektonischen Aktivitäten in der oberen Erdkruste (siehe nachfolgenden Abschnitt). Weiterhin steht aber auch die Überlegung im Raum, ob vielleicht ein kosmisches Impaktereignis die Ursache einer solchen Reaktivierung der CDF gewesen sein könnte.
Die Bedingungen, die jedenfalls zu erwarten wären, um den nachfolgend beschriebenen Vorgang auch ausreichend begründen zu können, würden wahrscheinlich ebenfalls mit bislang nicht korrekt zugeordneten oder falsch datierten Bruchereignissen größeren Ausmaßes einhergehen, die in Mitteleuropa folglich über mehrere Jahrhunderte hinweg immer wieder auch zu stärkeren Erdbeben geführt haben könnten und die uns womöglich sogar aus dem späteren Mittelalter schriftlich überliefert worden sind[1].
Der vorliegenden Interpretation zufolge entspricht das durch Ptolemäus beschriebene Gebiet der Germania Magna in seiner Breitenausdehnung in etwa auch dem Gebiet der heutigen Bundesrepublik Deutschland, ohne aber Teile Polens einzubeziehen, so wie bislang durch andere Interpretationen beschrieben. Große Teile der Mitteleuropäischen Senke waren dafür aber wohl – zumindest zeitweise – von einem Flachwassermeer bedeckt (oder auch von einer „Wassergras-Landschaft“, die für antike Entdecker vom Seeweg aus betrachtet noch nicht unbedingt die faktische Grenze zum Festland der Germania Magna markierte und die womöglich auch mit kleinen Booten befahren werden konnte (amphibische Zone), vgl. heutiges Sumpfboot). Es handelte sich also um eine weitläufige und womöglich über längere Zeit auch dauerhaft überschwemmte Auen- und Deltalandschaft, vergleichbar mit rezenten Marsch– oder Delta-Systemen (wie dem Mississippi-Delta, dem Everglades-Nationalpark oder den Pripjetsümpfen), mit ausgedehnten Röhrichtzonen, flachen Lagunen und einem Labyrinth aus Wasserläufen.
Wassergras ist hier auch die Grundlage der Torfentstehung, welches durch Pflanzenreste gebildet wird (vor allem Schilf, Seggen, Röhricht), die unter Wasserabschluss nicht vollständig verrotten. In den klassischen Niedermoorgebieten (bspw. Oderbruch, das Rhinluch, das Havelländische Luch und das Urstromtal bei Eberswalde) finden sich oft sogar meterhohe Schichten von Torf, der direkt auf Sand oder Mudde (Seeschlamm) liegt und Hinweise auf eine solche Vegetation liefert.
Für den antiken Betrachter, der sich hier also per Boot näherte, war womöglich nicht immer ein festes Ufer auszumachen. Der Horizont bestand möglicherweise weitläufig aus Wasser und aus mal mehr und mal weniger vorhandener Vegetation. Dänemark, bzw. die Halbinsel Jütland, hatte der Darstellung nach, und entsprechend dieser Interpretation, demzufolge auch noch keine richtige Verbindung zum Festland. Eine solche Zone, wie hier beschrieben, wirkte womöglich auch wie eine effektive Barriere für potentielle Angreifer, falls solche die Germania Magna über den Seeweg hätten mit größeren Schiffen ansteuern wollen.
Im Osten wurde die historische Germania Magna durch das sarmatische Gebirge (Sarmate montes) und weiterhin durch einen Fluss begrenzt, der als Vistula Fluvius→ bezeichnet wird, im Süden offenbar durch die Donau (Danubii bzw. Danubius flu.) und im Westen durch den Rhein (Renus fluvius). Die beiden letztgenannten Flüsse dienen hier zunächst als wichtigste Referenzpunkte (Referenzlinien) für die weitere Interpretation, da sie am Eindeutigsten erscheinen und ungefähr ihrem heutigen Verlauf entsprechen. Die Küstenlinie zum Oceanus Germanicus befindet sich im Vergleich zu heute etwa 120 Kilometer weiter südlich, knapp oberhalb von Berlin.
Diese Einschätzung ergibt sich entsprechend aus der Beibehaltung der geometrischen Längenverhältnisse, unter Verwendung der beiden oben genannten Bezugspunkte auf der Karte (Rhein und Donau), zusammen mit den vom Autor als Fläming identifizierten Asciburgius Monts als weitere wichtige Referenzfläche, mit der heutigen Stadt Baruth/Mark (Limios alsos) im Nord-Osten der Erhebung – aber auch mit Oderbruch bzw. der Ziltendorfer Niederung am rechten Kartenrand.
Folglich hätte sich auch die Mündung des Vistula Fluvius, die als weiterer Referenzpunkt dienen soll, weiter südlich befunden, als in früheren Interpretationen wahrscheinlich angenommen. Die Verschiebung des Mündungsbereiches nach Süden ermöglicht somit eine vermutlich bessere Verortung, um als Bezugspunkt für kartographische Überlagerungen dienen zu können. Eine solche Überlagerung legt dann auch nahe – grob unter Beibehaltung der Seitenverhältnisse – dass die Vistula, zumindest abschnittsweise, wohl heute eher der Schwarzen Elster entspricht und nicht etwa identisch ist mit der Weichsel (Vistula) in Polen. Ein Quellgebiet des Flusses hätte sich laut Kartendarstellung demzufolge im Bereich der Königsbrücker Heide befunden, in der es später auch eine sorbische Ortschaft namens Krakow gegeben hat, das andere Quellgebiet weiter östlich, vermutlich in der Gegend bei Königswartha.
Welche geologischen Prozesse zu einer möglichen Regression des Oceanus Germanicus geführt haben, sollte in erster Linie zwar nicht Gegenstand dieser Interpretation sein, jedoch vermutet der Autor hier mehrere Faktoren, die in der Veröffentlichung bereits ansatzweise dargelegt wurden und die hierfür eine gemeinsame Ursache bilden könnten. Nach neuesten Überlegungen erscheint jedoch – wie bereits angedeutet – die Reaktivierung der CDF im Zuge einer späten Aktivitätsphase der alpidischen Orogenese (d.h. in jüngerer Zeit) eine mögliche Hauptursache darzustellen, bei der sich Avalonia erneut ein Stück weit auf die baltische Kontinentalplatte aufgeschoben haben könnte (möglicherweise hier eine beginnende, aber zeitlich begrenzte Subduktion) – mit der Folge, dass die relative Meeresspiegelhöhe (relative sea level, RSL) an der norddeutschen Küste gefallen ist und dass Landflächen im Oceanus Germanicus (jene auf der baltischen Kontinentalplatte) folglich unter dem Meeresspiegel gelegen haben.
Sowohl Vesuv und Ätna in Italien, als auch die Vulkane auf Island, hatten in den letzten 3000 Jahren mehrere starke Eruptionen. Als Beispiel sei die bekannte Eruption des Vesuvs, im Jahr 79 n. Chr. genannt, in deren Folge Pompeji zerstört wurde, was womöglich ganz Allgemein auf eine hohe Geoaktivität in Europa schließen lässt, die hier möglicherweise zu Spannungen in der Lithosphäre geführt hat und die unter Umständen sogar den Kontinentaldrift angetriggert bzw. intensiviert haben könnte. Möglicherweise auch an eigentlich inaktiven Plattengrenzen.
Aber auch ein kosmisches Ereignis, mit einer entsprechenden Auswirkung auf die Plattentektonik, soll als mögliche Ursache hier nicht gänzlich ausgeschlossen werden. Ein solches könnte durchaus ebenfalls Spannungen in der Lithosphäre hervorgerufen oder auch gelöst haben. Solche, die sich möglicherweise einige zehntausend Jahre zuvor, durch den großen Eiszeit-Gletscher und dessen Auflast gebildet haben.
Im Jahr 607 n. Chr. wurde der Halleysche Komet zeitgleich mit drei anderen Kometen beschrieben[3], bei denen es sich womöglich um entsprechende Bruchstücke eines noch größeren Ausgangskörpers gehandelt haben könnte, nachdem der Komet laut babylonischen Textquellen im Jahr 164 v. Chr. direkt an Jupiter vorbeizog. Es ist zumindest denkbar, dass er zu diesem Zeitpunkt in mehrere größere Teile zerbrochen ist. Im Verlauf einiger hundert Jahre könnten diese dann auf sehr abweichende Umlaufbahnen gelangt sein (entsprechend also ihrer Größe und dem gravitativen Einfluss anderer Himmelskörper auf die so entstandenen Bruchstücke und Fragmente).[4]
Die Einschläge eines oder mehrerer kosmischer Objekte auf der Erdoberfläche könnten durchaus auch zu einer Klimaanomalie, wie jener von 536 bis 550 n. Chr. geführt haben[I], möglicherweise auch zu einer Veränderung der Meeresspiegelhöhe, sie könnten auch zur Wüstenbildung in Nordafrika beigetragen haben und ebenfalls mit einem gesteigerten Vulkanismus in Verbindung stehen. Ein Zusammenhang mit dem großen Erdbeben von Antiochia, im Jahr 526, wäre ebenfalls denkbar.[II] In Mitteleuropa hingegen könnte ein solches Ereignis mit dem Zerfall des Thüringer Reiches, etwa im Jahre 531, korrespondieren[5], aber auch ein Zusammenhang mit dem sogenannten Chiemgau-Einschlag, vmtl. eines Kometen, wäre hier denkbar, welcher sich möglicherweise zwischen 2200 v. Chr. und etwa 300 v. Chr. ereignet hat[6]. Dafür sprechen würde zumindest die zeitliche und räumliche Nähe zu den Gebieten, die hypothetisch von einem solchen Ereignis betroffen gewesen sein könnten.
Im Jahre 563 n. Chr. fand außerdem das in zeitgenössischen Berichten überlieferte Tauredunum-Ereignis statt, bei dem durch einen massiven Bergsturz ein großer Tsunami am Genfer See ausgelöst wurde – möglicherweise ja eine Folge größerer tektonischer Beanspruchungen des hier betroffenen Felsmassivs infolge eines möglichen Impaktereignisses, das im zeitlichen Zusammenhang aufgetreten sein könnte.
In der Preprint-Veröffentlichung ist zunächst die postglaziale Landhebung als Hauptursache für eine Regression des Oceanus Germanicus vermutet worden, die mit dem Ende einer Warmzeitperiode (dem Klimaoptimum der Römerzeit) folglich zu einem fallenden relativen Meeresspiegel (RSL) an der norddeutschen Küste geführt haben könnte. Zuvor war möglicherweise sogar noch weniger Wasser aus den Weltmeeren im Eis der großen Gletscher gebunden, als nach der kleinen Eiszeit während des Mittelalters – also in den letzten fünfhundert Jahren bis fast in die heutige Zeit hinein. Hierzu wurde in der Betrachtung auch die Arbeit von Olav Liestøl herangezogen, der in den späten 1950er Jahren den Verlauf der Firnline westnorwegischer Gletscher über einen Zeitraum von etwa 10.000 Jahren ausgewertet hat (vgl. Glaciers of the present day. In: Olaf Holtedahl Geology of Norway. (=Norges Geologiske Undersökelse, Nr. 208). Oslo, 1960).
Es wäre auch vorstellbar, dass im fraglichen Zeitraum zwischen Christi Geburt und dem Beginn der kleinen Eiszeit recht viele Befestigungen und Burgen, bzw. sogar ganze Städte im Flachwasser, auf einstigen Inseln und auf Halbinseln entstanden sind (vgl. hierzu Die Sage über Vinetaund auch die Wikipedia Artikel über Wikingerburgen bzw. allgemein über Wallburgen, insbesondere aber auch über Pfahlbauten, wie sie beispielsweise in der Nähe der polnischen Ortschaften Dobiegniew, Chłopowo (Krzęcin) und Lubiatowo (Przelewice) gefunden worden sind).
Auf den Inselgruppen in der nördlichen Germania Magna könnten sich zunächst also nordische Seevölker – als Vorfahren und Verwandte der Wikinger – herausgebildet haben (vgl. auch Waräger), bzw. später auch die Wikinger selbst – nicht zuletzt womöglich auch aufgrund des Expansionsdrucks im Römischen Imperium, durch welchen die germanischen Stämme möglicherweise vom Festland zunächst auf die Inseln im Oceanus Germanicus ausgewichen sein könnten – oder, da sie infolge der vorherigen Transgression ursprüngliche Siedlungsgebiete verloren haben. Auch könnten die Bewohner des Nordens zeitweise auf geschützten Marschinseln gelebt haben (Halligen), bzw. ist es möglich, dass diese Bauten später verlandet sind oder bei Flutereignissen zerstört wurden, ohne dass wir heute dafür noch Belege finden.
Aufgrund geologischer Ereignisse im Zusammenhang mit einer Verschiebung der Küstenlinie, könnte aber auch die Völkerwanderung eingesetzt haben[8], sofern hier nicht kriegerische Auseinandersetzungen das Hauptmotiv darstellen. Der böhmische Chronist Cosmas von Prag schreibt in Bezug auf die spätere slawische Wiederbesiedlung Mitteleuropas durch Boemus und seine Gefährten gar von einer “Sündfluth“, durch welche das Land einst seiner Einwohner beraubt wurde.[9]
Unter Berücksichtigung der vorliegenden Interpretation erscheint es dem Autor deshalb auch möglich, dass historisch überlieferte Sturmfluten in Nord– und Ostsee (vgl. Mandränke) zumindest teilweise auf tektonische Ereignisse, wie erdbebenbedingte Tsunamis zurückzuführen sein könnten. Auch an dieser Stelle soll ein mögliches kosmisches Ereignis, wie es weiter oben bereits angedeutet wurde, als mögliche Ursache nicht gänzlich ausgeschlossen werden. Durch eine Aufschiebung Avalonias, in Folge welcher Ereignisse auch immer, könnte jedenfalls die Hebung der Insel Rügen erst in relativ junger geologischer Zeit stattgefunden haben, die nun den Rest von der durch Erosion abgetragenen Spitze der avalonischen Platte darstellt.
Durch eine bessere Kenntnis über die Vorgänge, die hier möglicherweise stattgefunden haben, könnten künftig vielleicht auch archäologische Funde besser gedeutet werden, die in den fraglichen Zeitraum fallen. Dazu gehört beispielsweise das Phänomen der sogenannten Dark Earth, auch als “schwarze Schicht” bekannt – eine dunkle, homogene stratigraphische Einheit, die bei archäologischen Grabungen im europäischen Raum sehr häufig aufgefunden wird, aber meist nur schlecht stratifizierbar ist[10]. Es handelt sich dabei um mächtige, dunkelbraune bis schwarze Erdschichten, die sich bei Ausgrabungen oft genau zwischen Schichten aus der Spätantike und dem Hochmittelalter finden und die neben einem hohen humosen Anteil, auch einen hohen Gehalt an Holzkohle und Brandlehm aufweisen. Normalerweise lassen sich Erdschichten durch darin enthaltene Funde und Befunde zeitlich gut einordnen. Das ist bei der Dark Earth jedoch nicht möglich, da mit bloßem Auge keine Schichtung erkennbar ist. Sie ist also charakterisiert durch eine dunkle Färbung und weist einen Mangel an datierendem Fundmaterial auf.
Die Standarderklärung für die Entstehung dieser Schicht ist Bioturbation, also die Annahme, dass z.B. Regenwürmer und Wurzeln für die gute Durchmischung von Resten eingestürzter Gebäude verantwortlich sind. Dabei bleiben jedoch Fragen offen, beispielsweise wie auf diese Weise Ziegelsteine und dicke Schuttpakete homogenisiert werden können und auch, warum hier großflächig eine Vielzahl an Gebäuden scheinbar gleichzeitig verfielen und nicht wieder aufgebaut wurden. Einige Forscher (z.B. Mitchell oder Heimdahl) deuten ähnliche Schichten als „Anschwemmungsschichten“ oder resultierend aus Staunässe[10]. Zusammenfassend lässt sich Dark Earth im Kontext dieser Neuinterpretation und eines hypothetischen Katastrophen-Szenarios im 6. Jahrhundert möglicherweise nicht als langsamer Prozess (z.B. Gartenbau), sondern als ein plötzliches Ereignis-Sediment („Event Deposit“) definieren (▶ siehe Prüfkonzept→): Als das materielle Endprodukt der doppelten Zerstörung durch Feuer und Wasser einer ganzen Region, das durch die Hitzewelle eines Impakts/Airbursts entstanden sein könnte. Der hohe Holzkohle- und Rußanteil färbt die Schicht schwarz. Folglich sind die oft in der Dark Earth enthaltenen „Schlacken“ und „verglasten Steine“ (Entstehung bei Temperaturen ab etwa 1200 bis 1500 Grad Celsius, ein normaler Brand schafft das großflächig kaum) womöglich kein Industrieabfall, sondern Impaktite oder durch extreme Hitze (Airburst) in situ verziegelter Lehm bzw. Boden. Solche Verglasungen finden sich gelegentlich auch an den Gemäuern von zerstörten Burgen oder Burgwällen des Frühmittelalters (bekannt als Vitrified Forts) und zeugen von großer Hitzeeinwirkung.
Demzufolge könnte ein solches Szenario eventuell auch eine mögliche Fehldeutung über die exzessive Rodungsaktivität der Wälder in der Spät-Antike bzw. im frühen Mittelalter korrigieren. Die etablierte Lehrmeinung stützt sich hier primär auf Pollendiagramme aus Mooren und Seesedimenten in Norddeutschland, den Niederlanden und Dänemark. Diese Diagramme zeigen für das fragliche Zeitfenster (ca. 450–600 n. Chr.) ein signifikantes Muster: Die Kurven der Baumpollen – insbesondere von Eiche und Buche – brechen oft abrupt ein, während die Kurven für Nicht-Baumpollen, also von Gräsern und Kräutern stark ansteigen. Klassisch wird dies als massive menschliche Rodungstätigkeit interpretiert. Da gleichzeitig bestimmte Zeigerpflanzen wie der Spitzwegerich auftreten, lautet die Standard-Theorie, dass die damalige Bevölkerung den Wald im großen Stil zurückgedrängt habe, um Offenland für Agrar- und vor allem Weidewirtschaft zu schaffen.
Um diesen Widerspruch – „keine Siedlungsfunde, aber auch kein Wald“ – zu lösen, konstruierte die Forschung das Modell der „extensiven Weidewirtschaft“. Die gängige These besagt, dass die verbliebene Restbevölkerung nun, statt Ackerbau zu betreiben, riesige Viehherden in den Wäldern hat weiden lassen, wodurch der Aufwuchs von Bäumen durch Verbiss verhindert und die Landschaft künstlich offen gehalten wurde. Dieses Modell scheitert jedoch bei genauerer Betrachtung an der Plausibilität: Es erklärt zum Einen nicht, wer diese gigantischen Herden ohne Infrastruktur überhaupt managte und warum man keine Knochen dieser Tiere findet. Außerdem ergibt sich die entscheidende Frage, wie und warum eine schwindende oder verschwundene Bevölkerung (Siedlungsabbruch) eine landwirtschaftliche Intensivierung (Offenhaltung riesiger Flächen) zu ungunsten der Wälder betreiben sollte.
Unter Anwendung des hier diskutierten geodynamischen Modells (Impakt, Tsunami, Inversion) würde sich sich dieser Widerspruch auflösen: Der Rückgang der Baumpollen ist nicht das Werk menschlicher Rodungsaktivität, sondern das Resultat einer natürlichen Großkatastrophe. Der abrupte Einbruch der Baumpollen markiert demnach den Moment des Feuersturms (ausgelöst durch den thermischen Impuls eines Airbursts/Impakts). Der Wald wurde nicht gerodet, er verbrannte großflächig. Dies korreliert mit den archäologischen Brandhorizonten und der Bildung von Dark Earth.
Die daraufhin explosionsartig auftretenden Gräser und Kräuter sind demzufolge auch keine Weiden, sondern Pionierpflanzen in einer ökologischen Sukzession. Der Spitzwegerich, oft als Beweis für Viehweiden und eine intensivierte Weidewirtschaft zitiert, ist primär ein Indikator für offene, gestörte Böden und für lichte Verhältnisse. Sein Auftreten beweist nicht zwingend auch die Anwesenheit von Viehherden, sondern ist – zusammen mit dem Vorkommen von Beifuß (Artemisia) und Gänsefußgewächsen (Chenopodiaceae) – womöglich eher ein Zeichen für eine Überdüngung (Eutrophierung) durch Verwesungsprozesse (vgl. Dark Earth). Zudem können die letztgenannten Arten auch auf eine Versalzung der Böden durch einen Tsunami und auf die Bildung einer salzhaltigen Binnensteppe in einem trockenen, kontinentalen Steppenklima hindeuten.
Zur ökologischen Zeigerfunktion der genannten Arten vgl. die Standardwerte nach Ellenberg et al. (2010): Während Vertreter der Familie Chenopodiaceae (Gänsefußgewächse) oft hohe Stickstoffzahlen (N8–9) aufweisen und somit als Indikatoren für extrem nährstoffreiche, eutrophierte Standorte (z.B. durch organischen Zerfall) gelten, weisen sie zugleich eine hohe Salztoleranz auf (fakultative bis obligate Halophyten). In Kombination mit Artemisia (Beifuß), die vegetationsgeschichtlich als klassisches Steppenelement und Zeiger für kontinentale Klimabedingungen gilt, ergibt sich das Bild einer gestörten, nährstoffreichen und klimatisch trockenen Offenlandschaft (vgl. Pott 1995 zur Artemisietea-Klasse auf Ruderalflächen).[11]
Die botanischen Indikatoren deuten aber nicht nur auf eine kurzzeitige Überflutung hin, sondern auch auf eine nachhaltige ökologische Transformation durch die Regression des Oceanus Germanicus. Durch die tektonische Hebung des ehemaligen Flachwasserbereiches fiel der Meeresboden trocken. Die dabei entstehende Evaporation führte zu einer Aufkonzentration von Meeres-Salzen im Oberboden, während der massive Zerfall der marinen Biomasse eine natürliche Eutrophierung (Stickstoff-Anreicherung) verursachte. Dies schuf für Jahrzehnte den perfekten Nährboden für eine halophile Ruderalflora, wie oben bereits beschrieben, machte aber zugleich eine agrarische Nutzung unmöglich (physiologische Trockenheit durch Salzstress). Hydrologisch ist das nördliche Gebiet der Germania Magna im 6. Jahrhundert also als eine regressiveBrackwasserzone zu charakterisieren. Während der Oceanus Germanicus zuvor eine marine Salzwasser-Umgebung darstellte, führte die tektonische Hebung und das Trockenfallen weiter Areale zur Bildung stagnierender Restgewässer. Durch die hohe Evaporation (durch Klimasturz/Trockenheit) konzentrierten sich die Salze auf, was zu einer Hypersalinität der Böden führte. Dies erklärt, warum trotz vorhandener Bodenfeuchte eine Steppenvegetation (Halophyten) dominierte: Es herrschte eine physiologische Dürre vor, da das oberflächennahe Brackwasser für die primäre Waldvegetation nicht nutzbar war. Dies ist wahrscheinlich auch die Ursache, warum sich die Menschen, wie bei Volkmann (2013) beschrieben, an die Ränder der Sölle (Kesselseen) zurückgezogen haben, weil solche oft als Regenwasser-Speicher fungieren oder grundwassergespeiste (artesische) Quellen sind. In einer Landschaft, in der alle flachen Gewässer versalzen/brackig geworden sind, werden diese wenigen Süßwasserpunkte zu den einzigen überlebensfähigen Oasen.
In Bezug auf die Gesamtbetrachtung ergeben sich für den norddeutschen Raum also völlig neue Interpretationsmöglichkeiten, zum Beispiel auch bei Schiffsfunden[12] im Bereich des heutigen Festlands, die zunächst als Grabbeigaben oder als sogenannte Bootsbestattungen interpretierbar sind und wie sie insbesondere in Mecklenburg-Vorpommern gefunden werden. Bei diesen könnte es sich dem beschriebenen Szenario zufolge also durchaus auch um untergegangene Boote handeln, die beispielsweise bei einem Kampf oder durch eine Katastrophe im ursprünglich flachen Gewässer zerstört worden sind. Wie bereits beschrieben hat sich der Oceanus Germanicus in der Spätantike möglicherweise noch bis tief ins Landesinnere erstreckt (amphibische Zone). Die Boote könnten folglich durch den Prozess der Verlandung, durch das Auftreten von Tsunamis oder durch Flugsandablagerungen (fehlende Vegetation) auch ganz natürlich von Sand und Schlick überdeckt worden sein.[III]
Alles was folgt, entspricht so in ähnlicher Weise dem Muster der Wiederbesiedlung einer zerstörten Landschaft, wie sie beispielsweise auch nach dem Ausbruch des Mount St. Helens im Jahr 1980 erforscht wird. Unmittelbar nach der Katastrophe (Jahr 0 bis Jahr 5 nach dem Ereignis) ähnelt das betroffene Gebiet einer Mondlandschaft, bedeckt mit Schlamm und Asche. Der Boden ist bedeckt von einer Schicht aus Dark Earth (dem Gemisch aus Asche, verbranntem Lehm und Tsunami-Sediment, wie oben bereits dargelegt). Es gibt keine Vegetation, der Tsunami hat den Boden mit Salzwasser getränkt (Versalzung). Das Gebiet ist unpassierbar und lebensfeindlich, die Atmosphäre voll von Schwefelgasen und Methan. Etwa ab Jahr 5 bis Jahr 30 beginnt die Phase der Pionierpflanzen. Da der Boden durch den Tsunami versalzen ist, siedeln sich zuerst Pflanzen an, die wir heute von der Küste kennen (Halophyten), also auch tief im Binnenland. Es entsteht eine karge Steppenlandschaft. Dies erklärt vielleicht auch, warum die Slawen und später die Awaren (Reitervölker!) so schnell und widerstandslos bis zur Elbe und Saale vordringen konnten. Sie fanden keinen undurchdringlichen, sumpfigen Wald mehr vor, wie zuvor noch die Römer auf ihren Expeditionen in die Germania Magna, sondern eine offene Graslandschaft, die außerdem ideal für ihre Viehwirtschaft war.
Nach etwa 30 bis 80 Jahren hat der Regen das Salz lanngsam aus dem Boden gewaschen. Die erste Generation von Bäumen kehrt zurück. Es sind Pioniergehölze wie Birken (Betula), Pappeln, Haselsträucher. Diese wachsen schnell, brauchen viel Licht und vertragen schlechte Böden. Eine savannenartige Landschaft mit hohen Gräsern und Inseln aus Birkengebüsch entsteht. Jetzt können die ersten Menschen (z.B. der von Cosmas von Prag erwähnte Boemus mit seinen Gefährten) zurückkehren. Sie müssen keine Wälder roden (was mühsam ist), sondern finden offenes Land für den Ackerbau vor. Erst nach fast einem Jahrhundert (etwa nach 80 bis 100 Jahren) kehren die “Klimax-Baumarten” (Eichen, Buchen) zurück, die Schatten vertragen und langsam wachsen. Historische Quellen aus dem späteren Hochmittelalter (z.B. Thietmar von Merseburg, ca. 1000 n. Chr.) sprechen oft vom undurchdringlichen “Miriquidi” (Dunkelwald) im Erzgebirge oder in Thüringen. Dies ist ist der neue Wald, der auf der Ascheschicht gewachsen ist – auf extrem nährstoffreichem Boden (Dark Earth = hoher Phosphatgehalt) – und welcher deshalb besonders dicht und mächtig wurde.
Da die Donau in der vorliegenden Neuinterpretation (Quelle im Taunus→) auch in der Antike keine direkte Verbindung zum Oceanus Germanicus aufwies und somit nicht direkt als Ausbreitungskorridor für einen Tsunami dienen konnte, ist für die Zerstörungsschichten (Dark Earth) im bayerischen Raum (Regensburg/Passau) der Airburst eines kometaren Fragments (Eis-Impaktor) über dem Böhmischen Massiv (heutige Tschechische Republik/Böhmerwald) durchaus plausibel. Ein solcher Körper würde bei der Detonation in der Atmosphäre gigantische Mengen an Wasserdampf freisetzen (Sublimation), die nach sofortiger Abkühlung und Kondensation in der Atmosphäre großräumig als Sintflut (Sturzflut vom Himmel) niedergehen und lokale Schlammfluten verusachen, ähnlich einem Lahar (vgl. auch Hydrometeor).
Weiterhin denkbar wäre jedoch auch, dass eine Flutwelle den bayerischen Raum aus Richtung des Donau-Karpatenbeckens erreicht hat. Die orographische Anordnung des Alpen-Karpaten-Bogens um das Wiener Becken gleicht morphologisch einer erstarrten Bugwelle (Bow Shock). Interpretiert man dies im Kontext einer katastrophischen Krustenverschiebung (ausgelöst durch einen Impaktvektor aus Nordwesten), so markiert der Raum Wien–Bratislava den Scheitelpunkt (vgl. Apex) der Kollision.
Durch die massive kinetische Einwirkung wurde womöglich schlagartig eine Gebirgswelle aufgefaltet – steuerbordseitig zu den Alpen, backbordseitig zu den Karpaten, um bei dem Vergleich zu einer erstarrten Bugwelle zu bleiben. Die niedrigere Elevation bei Bratislava (Thebener Pforte) markiert den strukturellen Bruchpunkt. Während ein Teil der einströmenden hydrologischen Massen aus dem Schwarzmeergebiet womöglich in das Pannonische Becken entwich, führte der enorme Staudruck durch den Trägheitseffekt (Inertia) eventuell dazu, dass gewaltige Wassermassen auch nach Nord-Westen in das Donautal (Richtung Bayern) injiziert wurden.
Analog dazu zeigt die Ptolemäus-Karte von Pannonien, die Alpen als einen eher schmalen und zunächst sehr geraden, von West nach Ost verlaufenden Gebirgszug, der etwa ab dem Klagenfurter Becken eine allmähliche Biegung nach Süden, in Richtung des heutigen Kroatien vollzieht und scheinbar keine Verbindung mit den Karpaten aufweist. Der Bericht aus Edessa (525 n. Chr.) über die “Flut, die von den Bergen kam”, gegen die Mauern prallte, sich zurückzog und erneut zuschlug[II], beschreibt physikalisch außerdem das Verhalten einer Seiche-Welle (stehendes Gewässer in Schwingung) oder eines Mega-Flash-Floods.
Auch wenn eine direkte hydraulische Verbindung zum Schwarzmeergebiet aufgrund der Distanz unwahrscheinlich ist, belegt dieser Bericht womöglich die fernwirkende Seismizität und hydro-dynamische Instabilität des gesamten eurasischen Plattengefüges während eines solchen Ereignisses. Der Impuls, der in Mitteleuropa womöglich zur Auffaltung der ‘Bugwelle’ (Alpen/Karpaten) führte, löste eventuell zeitgleich im Nahen Osten massive tektonische Verschiebungen aus, die Gebirgsseen zum Überlaufen brachten oder durch atmosphärische Schockwellen (Hydro-Meteore) sintflutartige Sturzbäche in den dort vorhandenen Gebirgen (Taurus) generierten. Das Phänomen wäre somit als globaler ‘Marker’ für den Moment einer möglichen Krustenverschiebung zu werten.
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Eine vergleichende Darstellung zwischen der mittelalterlichen Germania Magna Karte des Donnus Nicolaus Germanus mit einer farbigen Abbildung aktueller Höheninformationen (DGM).
Dieses Bild zeigt eine farbige Darstellung aktueller Höheninformationen (DGM), überlagert mit der Germania Magna Karte des Donnus Nicolaus Germanus. (Version 2)
Zu beachten ist, dass eine exakte Verortung der Siedlungen, die durch Ptolemäus beschrieben wurden, trotz Überlagerung nicht möglich ist, wenn eine solche die gesamte Germania Magna gleichzeitig umfasst. Sie dient hier lediglich der groben Positionierung/Zuordnung der geografischen Einheiten. Für eine präziseren Versuch der Überlagerung ist zu berücksichtigen, dass die Karte des Donnus Nikolaus Germanus sicherlich nicht exakt genug für ein solches Vorhaben ist und dass möglicherweise geodynamische Prozesse zu einer Verschiebung tektonischer bzw. geografischer Einheiten entlang der Mittelgebirge geführt haben könnten.
Die Verortung des Vistula Fluvius [a] auf der Germania Magna, mit Oderbruch und Ziltendorfer Niederung ganz im Osten der Kartendarstellung. Es handelt sich beim Oderbruch wahrscheinlich um einen früheren Mündungstrichter (Ästuar), der sich unmittelbar an der Küste des Oceanus Germanicus gebildet hat und demzufolge von einer Küstenlinie zeugt, die sich einst noch weiter im Landesinneren befand als in heutiger Zeit.
Die zuvor beschriebene Situation, hier sinngemäß auf das betrachtete Gebiet der Germania Magna bezogen: Hiernach erklärt sich möglicherweise auch die Entstehung von Störungszonen, wie dem Elbe-Lineament, welche im Zusammenhang mit der vermuteten Hebung des norddeutschen Küstengebietes entstanden sein könnten (mit der Aufschiebung Avalonias) bzw. die Verkürzung der kontinentalen Kruste im Landesinneren, welche womöglich auch in Verbindung mit der Entstehung von bedeutenden Grabenstrukturen zwischen Alpen und Oceanus Germanicus steht. Gleichzeitig könnte durch die stärkere Aufwulstung der Kruste im Bereich der Niederlande und der Nordsee, ein Absinken der Lithosphäre stattgefunden haben (Isostasie), mit der möglichen Folge einer Neigungsänderung der Geländeoberfläche und der weiteren Heraushebung der Mittelgebirge, ggf. auch des Erzgebirges als Pultschollengebirge. (Norden hier am linken Bildrand, Google Earth Pro, 2024)
Ein möglicher Flussverlauf des Vistula Fluvius [a] könnte teilweise dem heutigen Verlauf der Schwarzen Elster entsprochen haben, die einst jedoch nicht nach Westen in die (heutige) Elbe(albis fluvii?) geflossen wäre, sondern möglicherweise zuvor eine Biegung nach Osten gemacht hätte, um etwa ab Guben zunächst dem Verlauf der Lausitzer Neiße weiter in das Flussbett der Oder zu folgen. Weitergehende geologische Untersuchungen können hier künftig vielleicht zu einer Klärung beitragen. Den Ort Stragona könnte man dann wohl bei der heutigen Stadt Herzberg (im Landkreis Elbe-Elster) vermuten und Budorigum bei Doberlug-Kirchhain. Fraglich ist noch, ob die Elbe tatsächlich in ihrem heutigen Verlauf verortet werden kann, oder ob auf der Karte hier vielmehr der Verlauf der Weißen Elster weiter westlich dargestellt ist (siehe auch den “Exkurs zum Kontinentaldrift unter Berücksichtigung von Platons Beschreibung über Atlantis” weiter unten auf dieser Seite”). Dann wäre der Ort Nomisterium möglicherweise bei Leipzig zu finden, oder weiter südlich davon in Richtung Gera.
Für eine adäquate Zuordnung der verzeichneten Orte ist hier eine stärkere Verzerrung der Germania Magna Darstellung notwendig. Jedoch wirkt das Ergebnis einer solchen Kartenüberlagerung augenscheinlich sehr plausibel. So wurde wohl später am einstigen Zusammenfluss von Schwarzer Elster und Spree, wie der Autor die abgebildeten Flüsse hier zunächst bezeichnet, im heutigen Ort Peitz eine mittelalterliche Festungsanlage errichtet (vgl. Festung Peitz), deren Festungsgräben von einem Altarm der Spree mit Wasser versorgt wurden (Abbildung 1 | Abbildung 2).
Nähere Informationen finden sich hierzu auch unter folgender Website des Historischen Vereins zu Peitz e.V.: https://festungpeitz.de/
Über die mögliche Hebung der avalonischen Kontinentalplatte, bzw. Die Reaktivierung der kaledonischen Deformationszone (CDF)
Mit der beginnenden Überschiebung Avalonias könnte es gleichzeitig auch zu einer stärkeren Aufwulstung bzw. Verdickung der kontinentalen Kruste im Bereich der Niederlande und des norddeutschen Wattenmeeres gekommen sein, was in der Folge zu einer Schrägstellung der avalonischen Kontinentalplatte, bzw. der Geländeoberfläche im Gesamten geführt haben könnte (Isostasie). Ursächlich war hierfür womöglich ein Nord-Süd gerichteter Kraftschub im Rahmen der alpidischenOrogenese, der möglicherweise zu einer Hebung des norddeutschen Küstengebietes und der Mitteleuropäischen Senke geführt hat und vielleicht auch zu einer weiteren Hebung des Erzgebirges in jüngster geologischer Zeit, bzw. allgemein zu einer Hebung der Mittelgebirge entlang des Thüringisch-Fränkisch-Vogtländischen Schiefergebirges, weiter den Main entlang bis zum Rheinischen Schiefergebirge, mit Taunus und Hunsrück.
Dabei könnte auch eine Nord-West-Neigung der avalonischen Kontinentalplatte hervorgerufen worden sein, auch da eine (begrenzte) Aufschiebung auf Baltica nicht an allen Nahtstellen gleichermaßen erfolgen konnte (die avalonische Kontinentalplatte wird im Westen von Laurentia überlagert). Wahrscheinlich handelt sich insbesondere im Bereich Dänemarks auch vielmehr um die Kollision zweier Kontinentalplatten und nicht etwa um die Subduktion von ozeanischer Kruste, wie sie beispielsweise an der Westküste Nord- und Südamerikas stattfindet. Möglicherweise könnte es vielleicht als Übergangssituation betrachtet werden.
Letztendlich würde es sich also um den Prozess der Gebirgsbildung in seinem anfänglichen Stadium handeln, der an der norddeutschen Küste möglicherweise unterbrochen wurde, da drei Kontinentalplatten hier miteinander verkeilt sind (Avalonia, Baltica und Laurentia). Es wären dementsprechend stärkere Kräfte notwendig, um den Vorgang an dieser Stelle fortzuführen, welcher hier über die Darstellung der Germania Magna aber bereits nachvollzogen werden kann. Der Vorgang der alpidischen Orogenese hat sich hier womöglich zeitweise von den Alpen stärker in Richtung Skandinavien verlagert, bzw. findet eine Hebung dort möglicherweise auch in stärkerer Abhängigkeit von der Aktivität des mittelatlantischen Rückens statt und in Abhängigkeit von der Kraft, die aus der Kollision der afrikanischen Kontinentalplatte mit Europa einhergeht.
Gleichfalls müsste aber auch nachvollzogen werden, dass es sehr wahrscheinlich Phasen mit stärkerer und Phasen mit geringerer Hebungsrate geben könnte, als dass es sich hier um einen gleichmäßig stattfindenden Prozess der Gebirgsbildung handelt – und dass es zwischenzeitlich sogar sehr starke Aktivitätsphasen gegeben haben muss, um die Landschaftsveränderung im notwendigen Ausmaß hervorzubringen. Immerhin ist ein solcher Vorgang speziell in Nordeuropa bislang kaum als solcher erfasst worden, weil er sich seit Beginn der modernen Geowissenschaften vermutlich in einem recht unauffälligen Stadium befindet.
Es ist also durchaus denkbar, dass ein noch engerer Zusammenhang zwischen der derzeitigen Hebung Skandinaviens und der alpidischen Orogenese besteht, als bislang vermutet und dass die postglaziale Landhebung dementsprechend nur noch zu einem gewissen Teil ursächlich hierfür sein könnte. Die vergleichsweise schnelle Hebung Skandinaviens in heutiger Zeit wäre dann möglicherweise stärker als vermutet, auf eine Auffaltung der kontinentalen Kruste zurückzuführen.
Aber auch der Eger–Grabenbruch ist möglicherweise in einem engerem Zusammenhang mit einem solchen Prozess oder Ereignis entstanden, genauso wie womöglich auch die Entstehung des Elbtalkessels zwischen Meißen und Dresden das Resultat eines solchen Vorgangs sein könnte, zusammen mit weiteren Landschaftveränderungen innerhalb der Germania Magna und den angrenzenden Regionen. Meines Erachtens deutet die Kartendarstellung schon darauf hin, dass das Gebiet um Elbsandsteingebirge und Lausitzer Gebirge zwischenzeitlich noch einmal geomorphologische Veränderungen erfahren hat. Das Lausitzer Bergland könnte bei entsprechender Interpretation der Karte heute womöglich noch den nördlichen Teil des früheren sarmatischen Gebirges darstellen (sarmate mons, hier als Proto-Erzgebirge), mit einer größeren Erhebung dann nach Osten zu, den Carpatus mons – heute womöglich als Riesengebirge mit der Schneekoppe zu betrachten (bzw. nach der Ptolemäus Karte von Sarmatien womöglich eher als Jeschkengebirge).
Für Anregungen und Hinweise können Sie mich gern jederzeit kontaktieren→.
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Topography of a Passive Continental Margin, from “Parks and Plates: The Geology of our National Parks, Monuments and Seashores,” by Robert J. Lillie, New York, W. W. Norton and Company, 298 pp., 2005, www.amazon.com/dp/0134905172
BASIN 9601, DEKORP – German continental seismic reflection program, The main profiles of the offshore part of BASIN ’96 are the NE-SW trending lines PQ2-9.1 and PQ2-5 extending the onshore seismic line 9601 further northwards. Combining these lines, a 500 km long NE-SW trending transect reveals the crustal image of Variscan structures to the south, parts of the Avalonia microplate, and finally the transition to the Baltic Shield.
vgl. DEKORP 2N, Münsterland Cretaceous Basin und Rhenish Massif, DEKORP Research Group (1990). Results of deep-seismic reflection investigations in the Rhenish Massif. Tectonophysics, 173, 507 – 515. doi: 10.1016/0040-1951(90)90242-Z
vgl. S.B. Lyngsie, H. Thybo, A new tectonic model for the Laurentia−Avalonia−Baltica sutures in the North Sea: A case study along MONA LISA profile 3, Tectonophysics, Volume 429, Issues 3–4, 2007, Pages 201-227, ISSN 0040-1951, https://doi.org/10.1016/j.tecto.2006.09.017.
The model explains the simultaneous timing of several diverse geological events, and shows how the intra-continental stratigraphic record can reveal the timing and dynamics of stress changes, which cannot be resolved by reconstructions based only on plate kinematics. (vgl. Dynamics of Mid-Palaeocene North Atlantic rifting linked with European intra-plate deformations, Nielsen, S., Stephenson, R. & Thomsen, E. Dynamics of Mid-Palaeocene North Atlantic rifting linked with European intra-plate deformations. Nature450, 1071–1074 (2007). https://doi.org/10.1038/nature06379)
vgl. babyl. Keilschrifttafel K 3476 , über das “babylonische Neujahrsfest”, übersetzt von Heinrich Zimmern in: BVSGW 58 [1906] 3, pp. 127-36, bzw. Hamlet’s Mill: An Essay on Myth & the Frame of Time, Appendix 26 ff., in Bezug auf den „Marduk-Stern Jupiter“, insb. Appendix 39:435, der weitere Informationen über eine mögliche Verbindung zwischen Marduk und Nibiru liefert: Marduk erhält hier möglicherweise seinen neuen Namen, während er „mit seinen Füßen in Ea liegt“ (vmtl. ein Sternbild), was metaphorisch auf den Schweif eines Kometen verweisen könnte. Möglicherweise erhielt Marduk seinen neuen Namen “Nibiru” auch an der „Jupiter-Station“, bzw. während beide Objekte im Sternbild Ea beobachtet worden sind. Eine eindeutige Zuordnung ist dem Autor zunächst noch nicht gelungen. Infrage kommen hier je nach Quelle bspw. Fuhrmann oder Widder, aber auch die Sternbilder Fische, Wassermann, Steinbock oder Schütze. Es wird jedoch weiterhin erwähnt, dass sich die Venus zur selben Zeit am Kopf des Objektes befand. Eine solche Interpretation könnte also grundsätzlich darauf hindeuten, dass die Sumerer hier über einen längeren Zeitraum hinweg ebenfalls ein kometenähnliches Himmelsobjekt im Sonnensystem beobachteten konnten, welches hier nachfolgend als ‚Objekt X‘ bezeichnet wird. Wohl auch in der Nähe des Jupiters, denn es hatte dort offenbar eine seiner “Stationen”, die es (also) vermutlich mehrfach besuchte. So manches Mal veränderte es dort vielleicht sogar ganz plötzlich seine Richtung und flog wieder zurück, da wo es herkam. Die Entfernung zur Sonne könnte zunächst also noch der von Jupiter oder der eines anderen Gasriesen geähnelt haben und womöglich hatte Objekt X zunächst auch noch eine planetenähnliche Umlaufbahn, die über mehrere Jahrhunderte oder Jahrtausende stabil blieb, bevor es womöglich einem der anderen Himmelskörper zu nahe kam und dadurch in mehrere Fragmente zerbrach. Dabei könnte Teile des Kometen durchaus auch auf retrograde oder inklinierte Umlaufbahnen abgelenkt worden sein, während kleinere Fragmente, die auch entstehen, weil beim Umlauf um die Sonne permanent Eis abgestoßen wird, heute vielleicht als Meteorstrom noch ihre Bahnen ziehen (vgl. bspw. Eta-Aquariden). Denkbar wäre hier auch, dass die Bahn des Objektes von Anfang an stark elliptisch gewesen ist, nachdem es womöglich aus dem Kuipergürtel oder der Oortschen Wolke durch die Kollision mit einem anderen Objekt in Richtung Sonne abgelenkt wurde. Kometen aus der Oortschen Wolke können auch durch gravitative Störungen, die durch nahe vorbeiziehende Sterne verursacht werden, ins innere Sonnensystem abgelenkt werden. Solche Kometen haben dann oft hochgradig exzentrische Bahnen. Die Umlaufbahn des Objektes oder einzelner Kometenfragmente, könnte mehrfach auch die Bahnen anderer Planeten gekreuzt haben – wobei hier durch die Gezeitenkräfte, insbesondere in der Nähe der großen Gasriesen – womöglich immer kleinere Fragmente entstanden sind. Durch die gute Sichtbarkeit des ursprünglich noch sehr großen Eiskometen, könnte „Objekt X“ so möglicherweise auch einen bedeutenden Einfluss auf die Geschichte und die astronomischen Aufzeichnungen der (Vor-)Antike gehabt haben. Objekt X könnte im Verlauf der Zeit jedenfalls nach und nach immer stärker fragmentiert worden sein und heute beispielsweise als Halleyscher Komet noch den Rest von Objekt X darstellen: “To be sure, this does not teach us where Marduk was supposed to be when he received the title Nibiru—it might have been decisive for the planet to rise heliacally together with l-Iku, the celestial model of Esagil (representing the “foundation-stone-covering-the-apsu,” maybe?), but when [n16 One clue, at least (probably manr more), to the situation is contained in the Cuneiform Tablet K 3476 dealing with the Babylonian New Year festival, translated and commented on by Heinrich Zimmern (“Zum babylonischen Neujahrsfest,” BVSGW 58 [1906] 3, pp. 127-36), which says that “Marduk lies with his feet within Ea” (lines 20-21: “(Das ist) Marduk [ . . . ] [der (?) mit (?)] seinen Fussen innerhalb (?) Eas liegr”). In a note, Zimmern proposes to understand this line as an “allusion to a constellation connected with Marduk (Auriga?) that reaches into a constellation connected with Ea (Aries?).” S. A. Fallis, not tending to astronomical notions, made it that “Marduk lies (?) before (?) Ea”; the unmistakable presence of the planet Venus in the second part of the sentence (kakkabuDIL. BAT) forced him to the concession: “perhaps it refers to certain astronomical conditions” (The Babylonian Akitu Festival [1926], p. 217). In 1926, sufficient literature about the “Three Ways” was available.]?“
siehe hierzu: Bemmann, J. (2023). Herrschaftswechsel als Zäsur? Thüringen im Frankenreich – eine andere Geschichte.→ In S. Brather (Ed.), Die Dukate des Merowingerreiches: Archäologie und Geschichte in vergleichender Perspektive (pp. 421-458). Berlin, Boston: De Gruyter. https://doi.org/10.1515/9783111128818-014 / (Volltext), u.a. mit dem “[…]Fazit: Es gab keine fränkischen Militärstützpunkte auf strategisch gelegenen Höhen, kein fränkisches Militär und keine fränkischen Eliten in Mitteldeutschland. Eine Integration ins Frankenreich zwischen 531 und 630 lässt sich auf archäologischem Wege nicht nachweisen. Selbst wenn die alte Meistererzählung den Kern des Prozesses zutreffend schildern würde und es fränkische Militärstationen mit Besatzungstruppen gegeben hätte, dürften diese nach der Gräberfeldgröße zu schließen nur aus wenigen Mann bestanden haben. Sie wären numerisch hoffnungslos unterlegen gewesen und hätten in einer Gesellschaft ohne Gewaltmonopol, in der Waffenbesitz weit verbreitet ist, keine Überlebenschance gehabt.[…]“, sowie: Volkmann, Armin. (2014) “Region im Wandel: Das 5.–6. Jahrhundert n. Chr. im inneren Barbaricum an der unteren Oder und Warthe→”- In: Germania Bd. 92 (2014) S. 133-153, u.a. mit einer Einführung: “[…]Die Idee einer allmählichen Transformation ist aber auf der Grundlage der vorliegenden archäologischen Befunde wohl nur für die römische Kaiserzeit in den westlichen Grenzgebieten zum Limes, beispielsweise im Zuge der Romanisierung der dortigen germanischen Gruppen, zutreffend. Die Befunde des Untersuchungsgebietes (Abb. 1) verweisen dahingegen auf drastische Umwälzungsprozesse zum Ende der römischen Kaiserzeit und Völkerwanderungszeit, die sich partiell innerhalb von nur wenigen Dekaden oder gar Jahren ereigneten (vgl. Abb. 2 und 3) und nicht im Einklang mit einer allmählichen Transformation stehen, sondern deutliche Kontinuitätsbrüche durch nichtlineare Veränderungen sind. In den archäologischen Befunden der Völkerwanderungszeit des 5. bis 7. Jahrhunderts n. Chr. im Odergebiet scheinen sich dramatische, tief einschneidende Prozesse widerzuspiegeln 2 . So ist die These von allmählichen Transformationsprozessen nicht auf die fokussierte Periode und nicht auf den Untersuchungsraum übertragbar.[…]“
vgl. Preiser-Kapeller, J. (2020). Der Lange Sommer und die Kleine Eiszeit: Klima, Pandemien und der Wandel der Alten Welt, 500-1500 n. Chr
unter Berücksichtigung einer Impakttheorie, ungefähr zwischen 526 – 531 n.Chr., wie sie im “Exkurs zum Kontinentaldrift unter Berücksichtigung von Platons Beschreibung über Atlantis→” betrachtet wird, hier zumindest “eine Spätphase der Völkerwanderung”, beispielsweise mit dem Einfall der Langobarden in Italien. Zuvor gab es bereits Eroberungsfeldzüge anderer germanischer Stämme aus der Germania Magna heraus, wie beispielsweise der Vandalen bis nach Nordafrika. Gleichwohl könnte ein solches Ereignis aber auch schon (ein weiteres Mal) früher stattgefunden haben, beispielsweise näher an der Zeit um Christi Geburt herum[IV] oder sogar bereits vor etwa 10.000 Jahren. Allerdings müsste die Kartendarstellung der Germania Magna dann auch entsprechend älter sein, als bislang angenommen. Eine auffällige Veränderung der relativen Meeresspiegelhöhe lässt sich für Skandinavien zum Beispiel nachweisen und wurde durch Kurt Lambeck, Catherine Smither, Paul Johnston, in “Sea-level change, glacial rebound and mantle viscosity for northern Europe→”, Geophysical Journal International, Volume 134, Issue 1, July 1998, Pages 102–144, https://doi.org/10.1046/j.1365-246x.1998.00541.x beschrieben, hängt aber nach bisheriger Erkenntnis sehr wahrscheinlich eher mit der postglazialen Landhebung nach dem Ende der Eiszeit zusammen und vollzieht sich hier offenbar über einen längeren Zeitraum. Möglicherweise sind hier aber auch Datierungsfehler in Erwägung zu ziehen.
vgl. F. Biermann: Die frühen Slawen – von Kiew an die Elbe. In: M. Knaut/D. Quast (Hrsg.), Die Völkerwanderung. Europa zwischen Antike und Mittelalter. Arch. Deutschland, Sonderheft 2005 (Stuttgart 2005) 80–84.
vgl. Ellenberg, H. et al. (2010): Zeigerwerte von Pflanzen in Mitteleuropa. (In: Vegetation Mitteleuropas mit den Alpen). Ulmer Verlag, sowie Pott, R. (1995): Die Pflanzengesellschaften Deutschlands. Ulmer Verlag
bspw. sogenannte “Usedomer Bootsgräber” vgl. BIERMANN, Felix. Usedomer Bootsgräber. Germania: Anzeiger der Römisch-Germanischen Kommission des Deutschen Archäologischen Instituts, 2004, 82. Jg., Nr. 1, S. 159-176.
weitere Verweise auf historische Aufzeichnungen:
Prokopios von Caesarea, Historien IV 14 (dt. Übersetzung aus: Vandalenkriege. übersetzt von Otto Veh, München 1971, S. 263)
Die Sonne, ohne Strahlkraft, leuchtete das ganze Jahr hindurch nur wie der Mond und machte den Eindruck, als ob sie fast ganz verfinstert sei. Außerdem war ihr Licht nicht rein und so wie gewöhnlich. Seitdem aber das Zeichen zu sehen war, hörte weder Krieg noch Seuche noch sonst ein Übel auf, das den Menschen den Tod bringt.
Anmerkung des Autors: Hier besteht möglicherweise auch ein Zusammenhang mit der nordischen Beschreibung eines Fimbulwinters.
Während dieser Zeit verschwanden die Wasser von Shiloh für 15 Jahre. In dieser Zeit fiel auch Feuer vom Himmel und verbrannte die Stadt Balbek – welche von Salomo auf dem Berg Libanon erbaut wurde – sowie die dortigen Paläste. Doch drei Steine, die Salomo zum Geheimnis der Dreifaltigkeit dort platziert hatte, blieben unversehrt. In derselben Zeit erschien eine Frau in Cilicia, die eine Elle größer war als jeder Mann und keine Sprache sprach. Sie aß jedoch menschliche Nahrung. Sie lebte lange Zeit, indem sie Geld von allen Läden erhielt. Doch dann verschwand sie plötzlich. Einige sagten, sie sei eine Nymphe gewesen.
Im Jahr 836 der Syrischen Ära (525 n. Chr.) war Asklepios, ein böser und verdorbener Mann, Bischof in Edessa, und er drängte die Gläubigen, das unheilige Konzil von Chalcedon anzunehmen. Er ließ 20 wundersame Zönobiten verhaften, folterte sie grausam und warf sie ins Gefängnis. Es geschah, dass am zweiten Abend eine große Flut von den Bergen herunterkam. Sie prallte gegen die Stadtmauern und zog sich zurück. Beim zweiten Mal riss sie die Mauern nieder und überschwemmte die Stadt, tötete Menschen und Tiere, indem sie sie in den Euphrat schleppte. Asklepios rettete sich, indem er in die Zitadelle der Stadt floh, ebenso wie einige andere. Sie wollten ihn steinigen, weil sie wussten, dass er für dieses Übel verantwortlich war, und so floh er nach Antiochia. Dort sagte sein Mitsektenanhänger Ephrem, Patriarch von Antiochia: „Seht, Brüder, unser zweiter Noah ist der Flut entkommen, die kam wegen der Sünde, das Konzil von Chalcedon nicht anzunehmen.“ Justin sandte viel Gold, um Edessa wieder aufzubauen. Als sie gruben, fanden sie eine Inschrift auf einem Stein, die lautete: „Dreimal wird eine Flut Edessa heimsuchen.“ Dies war in chaldäischer Schrift geschrieben. Dreißigtausend Tote wurden aus dieser Flut geborgen, während die Stadtbewohner die Zahl der in den Fluten Verschollenen auf 200.000 schätzten.
Asklepios und Ephrem amüsierten sich, indem sie Antiochia mit dieser üblen Häresie verschmutzten. Dies brachte der Stadt noch mehr Gottes Zorn. Ein fünftes Erdbeben erschütterte die gesamte Stadt, und alle Gebäude, Häuser, Paläste und Kirchen stürzten ein. Ein völlig neues Phänomen wurde beobachtet, denn der Wind brachte die Strafe von Sodom. Der Fluss kochte über, und aus der Tiefe stiegen schwarze Wasser auf, die Krebse, Schildkröten und die Knochen von Wildtieren mit sich brachten. Die Erde spie Feuer und Wasser aus. Tödliche Dämpfe stiegen auf, die durch verschiedene Leiden den Tod über Menschen und Tiere brachten. Einige Tage lang regnete es Feuer vom Himmel wie Regen. Jeder konnte die Schreie hören, aber niemand wagte es, sich zu nähern. Eineinhalb Monate lang hielten die Erdbeben und der feurige Regen unaufhörlich an. Die große Basilika, die Konstantin erbaut hatte, bebte sieben Tage lang wie ein Halm im Wind, bis sie riss und Feuer aufstieg, um die Kirche zu verbrennen. Nur 1250 Seelen überlebten diese Katastrophen. Plötzlich erschien ein leuchtendes Kreuz am Himmel, das nach drei Tagen verschwand. Und die Menschen riefen: „Herr, erbarme dich, Herr, erbarme dich.“ […]
[…] Auch andere Gebiete wurden zerstört: Seleukia in Syrien am Meer, die Stadt Daphe, sowie ein Gebiet von zwanzig Meilen um Antiochia, Anazarbus, die Metropole von Kilikien, und Korinth, die Metropole von Griechenland. So gingen viele Menschen und Gebäude während der bösen Jahre der Herrschaft von Justin verloren.
Landschaftsbeschreibung über das Gebiet an Elbe und Oder, aus Willibald Alexis’ “Der falsche Woldemar“:
Erstes Kapitel.
Die alten Zeiten.
Um die Mitte des vierzehnten Jahrhunderts sah es traurig aus zwischen Elbe und Oder. Der Herr, der Himmel und Erde geschaffen, hat den Sonnenschein verschieden ausgetheilt über die Länder; aber dorthin, wo die deutsche Zunge ausgeht, und die slavische anfängt, fiel die Spende seines Sonnenlichtes kärglich aus. Es hatte nicht Macht, die Sümpfe auszutrocknen, die das Meer zurückließ, noch zu durchglühen die dichten, starren Wälder, noch zu wärmen den Boden, daß er die Geschlechter der Menschen freiwillig ernähre, welche der Strom der Völker dahin verschlug. Diesen Geschlechtern selbst hat der Herr die Aufgabe gestellt, daß sie mit der Natur ringen. Sie sollen den Boden im Kampf mit den Stürmen und Gewässern selber sich machen, der warmen Sonne einen Teppich ausbreiten, drauf sie mit Lust weilen, und ein Land sich schaffen, das ihnen lieb wäre, und den andern ein froher Anblick.
Das war eine harte Aufgabe; und, wie viele Jahrhunderte darüber verstrichen, sie ist selbst heute noch nicht zu Ende. Noch immer müssen sie fortarbeiten im Schweiß ihres Angesichts, daß sie den Sand bändigen und festigen, den der Wind unter der Pflugschar fortweht; und es ist nicht mit der Arbeit gethan, die der Arm verrichtet und lenkt; denn dadurch wird die träge Natur nicht zum Leben bewältigt, noch die Sonne gezwungen, daß sie heller scheine auf das errungene Land. Die saure Arbeit ruft den Geist um Beistand auf, daß er erfinderisch neue Mittel schaffe, und ein ander Licht leuchten lasse, wo die Sonne nicht dringt durch die nordischen Nebel.
Und wie oft ward diese Arbeit unterbrochen; und gerade dann, wo es den Anschein hatte, als sei die Ernte endlich vor der Thür! Und so schreckhaft und fürchterlich unterbrochen, daß die Furchtsamen verzweifelten, und die Kleinmütigen wähnten, es laste Gottes Zorn auf dem Lande; darum sei es vergebens, seiner Hand zu widerstehen. Aber diese Geschicke waren nicht die Geißelschläge seines Zornes; es waren die Prüfungen und Feuerproben für ein Geschlecht, das da lernen sollte, nie zu verzagen; und wie es mit der Armuth des Bodens und den Elementen gerungen um ein besser Dasein, also solle es auch kämpfen mit den Mißgeschicken und sich stählen zur Selbstständigkeit unter den Schlägen, die den Schwächern allemal am härtesten treffen, wo starke Mächte miteinander streiten.
Auch das Annolied, das wahrscheinlich zwischen 1077 und 1081 von einem Siegburger Mönch verfasst wurde, enthält Zeilen, die möglicherweise auf ein oder sogar zwei – zu diesem Zeitpunkt wahrscheinlich nur noch wenig gut bekannte – geologische Ereignisse größeren Ausmaßes aus vorheriger Zeit hindeuten. Für zwei Ereignisse spricht auch eine verminderte Anzahl der archäologischen Fundstellen innerhalb der Germania Magna, einmal bereits in der Zeit um Christi Geburt herum und ein weiteres Mal die Klimaanomalie 536-550 mit einschließend (vgl. Volkmann, Armin. (2013). Neues zur „Odergermanischen Gruppe“: Das innere Barbaricum an der unteren Oder im 5.–6. Jh. AD.→) So heißt es in Strophe 27:
OY wi di wifini clungin, Da di marin cisamine sprungin, Herehorn duzzin, Becche blütis vluzzin, Derde diruntini diuniti, Di helli ingegine gliunte, Da di heristin in der werilte Sühtin sich mit suertin. Dü gelach dir manig breiti scari Mit blüte birunnin gari, Da mohte man sin douwen Durch helme virhouwin Des richin Pompeiis man Da Cesar den sige nam.
…und weiterhin in Strophe 31:
IN des Augusti citin gescahc Daz Got vane himele nider gesach Dü ward giborin ein Küning Demi dienit himilschi dugint, Iesus Christus Godis Sun Von der megide Sente Mariun: Des erschinin san ci Rome Godis zeichin vrone, Vzir erdin diz luter olei spranc, Scone ranniz ubir lant, Vmbe diu Sunnin ein creiz stunt, Also roht so viur unti blut, Wanti dü bigondi nahin, Dannin uns allin quam diu genade, Ein niuwe Künincrichi, Demi müz diu werilt al intwichin.
Dieser Text bezieht sich auf die Preprint Veröffentlichung zu:
Mildner, Sven. (2020). Die Neuinterpretation von Claudius Ptolemäus’ Germania Magna – mit Hilfe computergestützter Bildverzerrung einer mittelalterlichen Kartendarstellung des Donnus Nicolaus Germanus – und Betrachtungen zur postglazialen Geodynamik Europas. 10.23689/fidgeo-5907.
Erschienen unter ISBN 979-8573568980
Die geografische Beschreibung der ihm bekannten Welt durch den ägyptisch-griechischen Universalgelehrten Claudius Ptolemäus, etwa 150 Jahre nach Christi Geburt, faszinierte zahlreiche Wissenschaftler seiner Zeit – und auch heute noch ist das Interesse an seinem Werk nicht verloren gegangen – im Gegensatz zur sagenumwobenen Insel „Thule“, die dank mystischer Erzählungen immer wieder das Interesse vieler Menschen geweckt hat.
Auf der Suche nach geheimem Wissen, dem Atlantis des Nordens oder, um die Vergangenheit besser zu verstehen, versuchte man die von Ptolemäus angegebenen Koordinaten der jeweils bekannten Welt zuzuordnen und die eingezeichneten Orte, Flüsse und Gebirge zu identifizieren…
Diese Preprint Veröffentlichung mit dem Namen “Die Neuinterpretation von Claudius Ptolemäus’ Germania Magna – mit Hilfe computergestützter Bildverzerrung einer mittelalterlichen Kartendarstellung des Donnus Nicolaus Germanus – und Betrachtungen zur postglazialen Geodynamik Europas” ist ein interdisziplinärer Beitrag, der voraussichtlich auf unterschiedlichen Gebieten der Geistes- und Geowissenschaften zu neuen Erkenntnissen führen wird (postglaziale Geodynamik, historische Geographie, Sozialgeographie und insbesondere auch auf den unterschiedlichen Gebieten der Geschichtswissenschaften führen wird (Ur- und Frühgeschichte, römische Kaiserzeit, Völkerwanderung, frühes Mittelalter)).
Außerdem wird die vorliegende Interpretation der Germania Magna die archäologische Arbeit dahingehend beeinflussen, dass künftig eine bessere räumliche Verortung von aufgefundenen Siedlungen und Fundstätten zueinander vorgenommen werden kann. Zuletzt erfolgte ein entsprechender Versuch zur Verortung durch Kleineberg, Andreas & Nüsse, Hans-Jörg & Marx, Christian & Lelgemann, Dieter in “Germania magna – A new look at an old map: Rectifying Ptolemy’s geographical data for ancient places between the Rhine and the Vistula. Germania. 89. 115-155.” im Jahre 2010 am Institut für Geodäsie und Geoinformationstechnik der Technischen Universität Berlin, mittels geodätischer Entzerrung, in Kombination mit der Kenntnis über frühzeitliche Handelsrouten, allerdings ohne Berücksichtigung einer umfassenderen Lanschaftstransformation durch geologische Prozesse.
Die Berücksichtigung einer umfassenderen Transformation des Landschaftsbildes ermöglicht in der Folge jedoch eine bessere geographische Einordnung der Germania Magna in unser modernes Weltbild und eine besseres Verständnis über die Aufzeichnungen aus der Antike, aus der römischen Kaiserzeit, der Völkerwanderung sowie von frühen kirchlichen Aufzeichnungen, die Christianisierung Europas betreffend. Ebenfalls führen weitergehende Betrachtungen zu einem besseren Verständnis über die postglaziale Geodynamik in Europa und über die Auswirkungen dieser Prozesse auf die weitere Kulturgeschichte früher Völker in Europa.
Das Siedlungsgebiet frühzeitlicher Kulturen entlang der Küste, wie auch das der Wikinger, die auf zahlreichen Inseln nördlich der Germania Magna lebten, kann infolge dieser Interpretation möglicherweise neu betrachtet werden, da mit der Neuinterpretation der Karte auch eine präzisere Verortung archäologisch-bedeutender Siedlungen und Fundstätten aus germanischer Zeit ermöglicht wird.
Anmerkung 2: Auf der Karte, die hier nachfolgend abgebildet wurde, könnte man den Ort “Stragona” wohl bei der heutigen Stadt Herzberg (im Landkreis Elbe-Elster)vermuten und “Budorigum” bei Doberlug-Kirchhain. In der Veröffentlichung, die sich an der Karte des Donnus Nicolaus Germanus orientiert, wurde dieser Ort zunächst im Dahmetal verortet. Auf dieser Karte ist es auch interessant zu erkennen, wie sich hier die “Asciburgius mons” bis südlich vom heutigen Calau (Calisia) erstrecken, wo mit der Calauer Schweiz auch ein entsprechender Höhenzug vorhanden ist.
“Albionis Pars” wäre darauf möglicherweise eine Darstellung des Doggerlands.
EVROP: IIII Tab
Der erste Entwurf dieser Neuinterpretation ist als gedrucktes Taschenbuch bei Amazon erhältlich:
Abstract aus der Preprint Veröffentlichung zur “Neuinterpretation von Claudius Ptolemäus’ Germania Magna – mit Hilfe computergestützter Bildverzerrung einer mittelalterlichen Kartendarstellung des Donnus Nicolaus Germanus – und Betrachtungen zur postglazialen Geodynamik Europas“ https://dx.doi.org/10.23689/fidgeo-5907
Die Neuinterpretation von Claudius Ptolemäus’ Germania Magna – mit Hilfe computergestützter Bildverzerrung einer mittelalterlichen Kartendarstellung des Donnus Nicolaus Germanus – und Betrachtungen zur postglazialen Geodynamik Europas:
Buchbeschreibung zur Entwurfs-Veröffentlichung von: Sven Mildner (Hrsg.): Die Neuinterpretation von Claudius Ptolemäus’ Germania Magna – mit Hilfe computergestützter Bildverzerrung einer mittelalterlichen Kartendarstellung des Donnus Nicolaus Germanus – und Betrachtungen zur postglazialen Geodynamik Europas. Dresden 2020, ISBN 979-85-7356898-0, erschienen bei Amazon.de, (Broschur. 38 Seiten, Entwurfsveröffentlichung)”
vorläufiges Quellenverzeichnis vom 11.02.2024:
Nüsse, Hans Jörg & Marx, Christian & Lelgemann, Dieter. (2011). Germania magna A new look at an old map: Rectifying Ptolemy's geographical data for ancient places between the Rhine and the Vistula. Germania. 89.115-155.
Marx, Christian. (2012). Investigations of the coordinates in Ptolemy’s Geographike Hyphegesis Book 8. Archive for History of Exact Sciences. 66.531555. 10.1007/s00407-012-0102-0
Lambeck, Kurt & Smither, Catherine & Johnston, Paul. (2002). Sealevel change, glacial rebound and mantle viscosity for Northern Europe. Geophysical Journal International. 134.102144. 10.1046/j.1365246x.1998.00541.x.
Grieman, Mackenzie & Nehrbass Ahles, Christoph & Hoffmann, Helene & Bauska, Thomas & King, Amy & Mulvaney, Robert & Rhodes, Rachael & Rowell, Isobel & Thomas, Elizabeth & Wolff, Eric. (2024). Abrupt Holocene ice loss due to thinning and ungrounding in the Weddell Sea Embayment. Nature Geoscience. 10.1038/s41561-024-01375-8.
Harff, Jan & Deng, Junjie & Dudzinska Nowak, Joanna & Fröhle, Peter & Groh, Andreas & Hünicke, Birgit & Soomere, Tarmo & Zhang, Wenyan. (2017). What Determines the Change of Coastlines in the Baltic Sea?. 10.1007/9783319498942_2.
Kaufmann, Georg & Lambeck, Kurt. (2002). Glacial isostatic adjustment and the radial viscosity profile from inverse modeling. Journal of Geophysical Research. 107. 10.1029/2001JB000941.
Weninger, Bernhard & Schulting, Rick & Bradtmöller, Marcel & Clare, Lee & Collard, Mark & Edinborough, Kevan & Hilpert, Johanna & Jöris, Olaf & Niekus, Marcel & Rohling, Eelco & Wagner, Bernd. (2008). The catastrophic final flooding of Doggerland by the Storegga Slide tsunami. Documenta Praehistorica XXXV. 34426126. 10.4312/dp.35.1
Streif, Hansjörg. (2004). Sedimentary record of Pleistocene and Holocene marine inundations along the North Sea coast of Lower Saxony, Germany. Quaternary International. 112.328. 10.1016/S10406182(03)000624.
Deng, Junjie & Harff, Jan & Zhang, Wenyan & Schneider, Ralf & DudzinskaNowak, Joanna & Giza, Andrzej & Terefenko, Paweł & Furmanczyk, Kazimierz. (2017). The Dynamic Equilibrium Shore Model for the Reconstruction and Future Projection of Coastal Morphodynamics. 10.1007/9783319498942_6.
Exkurs: Der Kontinentaldrift unter Berücksichtigung von Platons Beschreibung über Atlantis und weitere Überlegungen zur geologischen Geschichte Deutschlands hypothetischer Natur
Interpretation durch Alfred Stückelberger und seine Mitarbeiter, Bern
Die Ptolemaios-Forschungsstelle in Bern[2] hat unter Leitung von Alfred Stückelberger eine Neuausgabe des Handbuchs der Geographie (= Geographike hyphegesis) des Klaudios Ptolemaios geschaffen (Textausgabe 2006[3]; Ergänzungsband 2009[4]), die erste umfassende Neuausgabe seit mehr als 150 Jahren, die erstmals auch eine vollständige deutsche Übersetzung enthält. Bei der Gestaltung des griechischen Textes konnte erstmals die wohl bedeutendste, erst 1927 im Topkapipalast in Istanbul aufgefundene Kartenhandschrift (Codex Seragliensis GI 57, um 1300) durchgehend ausgewertet werden; durch sie konnten zahlreiche Lesarten bestätigt werden.
Die um etwa 150 n. Chr. in Alexandria entstandene Geographike Hyphegesis des Klaudios Ptolemaios gehört mit ihrem theoretischen Vorspann, mit den neuartigen Projektionsmethoden für eine Weltkarte, mit ihrem Ortskatalog von etwa 6400 durch Koordinaten bestimmten Orten sowie einem Kartenatlas mit Weltkarte und 26 Länderkarten zu den bedeutendsten erhaltenen Werken der antiken Wissenschaftsgeschichte. Dieses Werk einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen war das erklärte Ziel des Mitarbeiterteams der Berner Ptolemaios-Forschungsstelle: Eine deutsche Übersetzung, die nötigen Sacherklärungen in den Anmerkungen und ein umfassendes Register sollten dies gewährleisten.
Insbesondere sollten die etwa 13.000 Koordinatenangaben, die in den Handschriften oft fehlerhaft und uneinheitlich überliefert sind, unter Vergleichung mit den überlieferten Karten auf ihre Plausibilität hin geprüft werden. Aufgrund dieser Überprüfung ist – in Anlehnung an die Handschriften – der ganze Kartensatz von Florian Mittenhuber umgezeichnet und damit der Versuch gewagt worden, das ursprüngliche Werk des Ptolemaios wieder sichtbar zu machen. Dass dem Ptolemaios zur Gewinnung der Koordinaten und somit zur Gestaltung der Karten ganz unterschiedliche, zum Teil fehlerhafte Quellen vorlagen und das nun überlieferte geographische Bild durchaus Verzerrungen aufweist, war dem Herausgeberteam von vornherein bewusst. Da die Ursachen für diese Verzerrungen aber sehr verschiedener Art sein können, wird es schwierig sein, die überlieferten Daten großflächig zu entzerren.
Interpretation durch Dieter Lelgemann und andere, Berlin
In der Geographike Hyphegesis sind erstmals viele Orte derart mit Koordinaten versehen, dass sich daraus Karten bzw. ein Atlas zeichnen ließe, wenn die Angaben nicht mit einer Vielzahl von Fehlern behaftet wären. Soweit die Orte in Ptolemäus’ Werk dem historischen Römerreich zurechnen, lassen sich die Ortsbezeichnungen teilweise lokal zuordnen (so ist etwa Argentoratum der Ort, der sich an der Stelle der heutigen Stadt Straßburg befand). Außerhalb des antiken Römerreichs liegende Orte lassen sich dagegen nur ausnahmsweise örtlich zuordnen.
Ein Fortschritt bei der Bestimmung solcher Ortslagen wurde durch die Ergebnisse eines Projekts des Instituts für Geodäsie und Geoinformationstechnik der Technischen Universität Berlin unter Leitung von Dieter Lelgemann erzielt, das sich u. a. mit den Koordinatenangaben im zweiten[5] und dritten[6] Buch der Geographike Hyphegesis befasste.
Für die ptolemäischen Orte in der Germania magna (Buch 2, Kapitel 11) ist es den Wissenschaftlern der TU Berlin gelungen, mit Hilfe einiger Referenzpunkte (CCAA, Weichselmündung, Bonn) die antiken Koordinatenangaben in das moderne geographische Koordinatensystem zu übertragen.
Die Genauigkeit der entzerrten numerischen Angaben des Ptolemaios erweisen sich als erstaunlich hoch. Sie liegt in der Regel bei 10 bis 20 km bzw. 5‘ bis 10‘ für die einzelnen Orte.[7]
In der Tabelle „Orte und Identifizierungen in Germania magna“ findet man 137 antike Namen. Es gibt 3 Gruppen. Bei 3 antiken Namen findet man keine Angaben für den modernen Namen. Bei 60 modernen Namen, findet man ein „bei“ vor dem Namen. Und beim Rest der 74 Namen ist der moderne Name ohne die Angabe „bei“. Man denkt, das ist der moderne Ort. Jedoch findet man in dieser Gruppe auch Orte, die außerhalb der Genauigkeitsangaben der TU-Berlin liegen. So soll zum Beispiel Locoritum (Nr. 99) Langenprozelten sein. Jedoch liegt Langenprozelten 23,6 km bzw. 13‘ N vom umgerechneten entzerrten Ort Marktheidenfeld entfernt. Es erfüllt nicht die Genauigkeitskriterien der TU-Berlin.
Den Projektergebnissen zufolge können die von Ptolemäus für diesen Teil der Welt benannten Orte in vier Gruppen zusammengefasst werden. Die ersten drei Gruppen betreffen dabei Orte, deren Koordinaten gemeinsame geodätische Mess- oder Verzerrungsfehler zugrunde liegen, die sich herausrechnen lassen. Bei der vierten Gruppe liegen nicht systematisierbare Fehler vor, sie blieben deshalb unberücksichtigt.
Gruppe 1: Orte mit entzerrbaren Koordinaten, deren Lage sicher ist
Dabei kann wegen der Völkerwanderung der jeweils angegebene heutige Ort nicht einfach als die siedlungsgeschichtliche Fortsetzung des zugeordneten historischen Orts angesehen werden.
Das zeitgenössische wissenschaftliche Anliegen des Ptolemäus besteht darin, Orte in der Germania magna, die nach seiner Erkenntnis eine gleiche Entfernung zwischen Pol und Äquator teilen, zu „Klimaten“ zusammenzufassen. Der Begriff „Klima“ wird also nicht zur Beschreibung von Klimazonen im modernen Sinne verwendet, sondern es handelt sich dabei um „einen Landstrich, dessen Teile den gleichen Neigungswinkel der einfallenden Sonnenstrahlen gegen den Horizont aufwiesen und somit alle unter der gleichen ‚Breite‘ lagen“.[8] Diese Einteilung der germanischen Orte in klimata könnte auf Vermessungen der römischen Armee zurückzuführen sein, die für die Feldzüge in Germanien zwischen 14 v. Chr. und 16 n. Chr. erstellt wurden und von den römischen Garnisonen am Rhein ausgingen. Anscheinend hatte Ptolemaios Zugriff darauf.[1]
Ausgaben und Übersetzungen
Alfred Stückelberger, Gerd Graßhoff (Hrsg.): Ptolemaios, Handbuch der Geographie (griechisch-deutsch). Schwabe Verlag, Basel 2006, ISBN 3-7965-2148-7 (Werk in 2 Halbbänden).
Karl Friedrich August Nobbe (Herausgeber): Claudii Ptolemaei Geographia. 3 Bände, Leipzig 1843, 1845, Nachdruck Olms, Hildesheim 1966 (griechische Textausgabe).
John Lennart Berggren, Alexander Jones: Ptolemy’s Geography: An Annotated Translation of the Theoretical Chapters. Princeton University Press, 2000.
Edward Luther Stevenson (Übersetzer) Claudius Ptolemy: The Geography, New York Public Library 1932, Nachdruck Dover 1991 (englische Übersetzung, sehr fehlerhaft).
Literatur
Germanien in der Weltkarte des Klaudios Ptolemaios. In: Abenteuer Archäologie. Nr. 1. Spektrum der Wissenschaft, Heidelberg 2004, S. 9.
Andreas Kleineberg, Christian Marx, Eberhard Knobloch, Dieter Lelgemann: Germania und die Insel Thule. Die Entschlüsselung von Ptolemaios´ „Atlas der Oikumene“. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2010, ISBN 978-3-534-23757-9, S. 131 Seiten mit teils farbigen Karten.
Andreas Kleineberg, Christian Marx, Dieter Lelgemann: Europa in der Geographie des Ptolemaios. Die Entschlüsselung des „Atlas der Oikumene“: Zwischen Orkney, Gibraltar und den Dinariden. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2012, ISBN 978-3-534-24835-3.
Christian Marx, Andreas Kleineberg: Die Geographie des Ptolemaios. Geographike Hyphegesis Buch 3: Europa zwischen Newa, Don und Mittelmeer. epubli, Berlin 2012, ISBN 978-3-8442-2809-0.
Hans-Jörg Nüsse, Dieter Lelgemann, Christian Marx: Germania magna – Ein neuer Blick auf eine alte Karte. Entzerrte geographische Daten des Ptolemaios für die antiken Orte zwischen Rhein und Weichsel. In: Germania Jahrgang 89, 2011 S. 115‒155 (doi:10.11588/ger.2011.96480).
Klaus Geus: Ptolemaios über die Schulter geschaut – zu seiner Arbeitsweise in der Geographike Hyphegesis. In: Michael Rathmann (Hrsg.): Wahrnehmung und Erfassung geographischer Räume in der Antike. Philipp von Zabern, Mainz 2007, ISBN 978-3-8053-3749-6, S. 159–166.
Andreas Kleineberg, Christian Marx, Eberhard Knobloch, Dieter Lelgemann: Germania und die Insel Thule. Die Entschlüsselung von Ptolemaios´ „Atlas der Oikumene“. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2010, ISBN 978-3-534-23757-9, S. 3; S. 22 und 25
Andreas Kleineberg, Christian Marx, Eberhard Knobloch, Dieter Lelgemann: Germania und die Insel Thule. Die Entschlüsselung von Ptolemaios´ „Atlas der Oikumene“. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2010; Hans-Jörg Nüsse, Dieter Lelgemann, Christian Marx: Germania magna – Ein neuer Blick auf eine alte Karte. Entzerrte geographische Daten des Ptolemaios für die antiken Orte zwischen Rhein und Weichsel. In: Germania. Jahrgang 89, 2011, S. 115‒155; Andreas Kleineberg, Christian Marx, Dieter Lelgemann: Europa in der Geographie des Ptolemaios. Die Entschlüsselung des „Atlas der Oikumene“: Zwischen Orkney, Gibraltar und den Dinariden. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2012.
Christian Marx, Andreas Kleineberg: Die Geographie des Ptolemaios. Geographike Hyphegesis Buch 3: Europa zwischen Newa, Don und Mittelmeer. epubli, Berlin 2012.
Andreas Kleineberg, Christian Marx, Eberhard Knobloch und Dieter Lelgemann. Die antike Karte von Germania des Klaudios Ptolemaios. In: zfv-Zeitschrift Heft 2/2011.
Ernst Honigmann: Die sieben Klimata und die Poleis episemoi. Eine Untersuchung zur Geschichte der Geographie und Astrologie im Altertum und Mittelalter. Heidelberg 1929, S. 4; hier zitiert nach Andreas Kleineberg, Christian Marx, Eberhard Knobloch, Dieter Lelgemann: Germania und die Insel Thule. Die Entschlüsselung von Ptolemaios´ „Atlas der Oikumene“. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2010, S. 25.